21.12.2020 Facts

Rau­chen auf­hö­ren: For­scher für neue Wege

Aufhören mit dem Rauchen? Forscher empfehlen der Politik neue Wege

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Forscher für weniger schädliche Nikotinprodukte 

Eine neue Organisation will sich für die Menschen einsetzen, die aus verschiedenen Gründen nicht von der Tabakzigarette lassen können: „Diese Gruppe von Rauchern sollte nicht aufgegeben werden. Wenn sie wiederholt mit dem Rauchstopp scheitern, dann könnte der Umstieg auf weniger schädliche Produkte einen positiven Effekt haben“, heißt es in der Gründungserklärung der „International Association on Smoking Control & Harm Reduction (SCOHRE)“. Die Forscher, die die Vereinigung ins Leben gerufen haben, fordern eine Abkehr vom verbreiteten Credo „Quit or die“ (Lass es sein oder stirb).

Stattdessen, so die Wissenschaftler, sollten Alternativen wie Tabakerhitzer, E-Zigaretten und tabakfreie Nikotinprodukte stärker gefördert werden. Schließlich zeigen Studien, dass diese Optionen den Konsumenten bis zu 95 Prozent weniger Schadstoffen aussetzen als der Rauch des verbrannten Tabaks aus Zigaretten. Zu den Zielgruppen der Aktivitäten von SCOHRE zählen Politiker und Verbände ebenso wie Krankenkassen und Ärzte, bei denen es teils erhebliche Informationsdefizite gebe. Daher könnten die Mediziner umstiegswillige Raucher nur unzureichend beraten.

 

Harm Reduction als Alternative zum Weiterrauchen

Professor Heino Stöver, SCOHRE-Gründungsmitglied und Leiter des Instituts für Suchtforschung Frankfurt am Main (ISFF) an der Frankfurt University of Applied Sciences, stellt fest: „E-Zigarette und Tabakerhitzer sind nicht harmlos, stellen aber eine weniger schädliche Alternative zum Weiterrauchen dar, wenn anders der Verzicht auf die weit gefährlichere Tabakzigarette nicht gelingt.“ Bis jetzt, heißt es von SCOHRE, stecke die Debatte um das Konzept der harm reduction noch in einem frühen Stadium. Das will die Vereinigung ändern.

Dr. Thomas Nahde, Leiter des Bereiches Scientific Affairs & Scientific Engagement bei Reemtsma, begrüßte ausdrücklich die Initiative: „Wenn es SCOHRE gelingt, potenziell risikoreduzierte Produkte im Konzept der Schadensbegrenzung zu verankern, dann ist das ein großer Schritt für erwachsene Raucher. Deshalb ist es sinnvoll, endlich die sachliche und faktenbasierte wissenschaftliche Diskussion um Rauchalternativen mit allen wichtigen Akteuren zu beginnen.“

 

Unabhängige Maßnahmen zur Schadensminderung auf die öffentliche Gesundheit

Dabei wird SCOHRE unabhängig von den Unternehmen der Tabakbranche arbeiten: „Wir werden weder direkt noch indirekt von der Tabakindustrie unterstützt“, heißt es in der Gründungserklärung. Das unterstreicht auch Professor Ignatios Ikonomidis von der National & Kapodistrian University in Athen: „Wir brauchen eine unabhängige wissenschaftliche Vereinigung, um die Entwicklung neuartiger, wirksamerer Methoden zur Raucherentwöhnung sowie die Auswirkungen von Maßnahmen zur Schadensminderung auf die öffentliche Gesundheit zu untersuchen.“ Davon werden ausstiegswillige Raucherinnen und Raucher profitieren.