26.09.2018 Stories

Es muss nicht immer die Uni sein“ – über die Aus­bil­dung bei Reemts­ma

Im September startete das neue Ausbildungsjahr in Deutschland. Rund eine halbe Million junge Menschen beginnen nun ihre Ausbildung – das erste Mal, laut Bundesagentur für Arbeit, gibt es jedoch weniger Bewerber als Stellen. Warum ist die klassische Ausbildung so unbeliebt geworden? Dabei ist nach dem jetzt veröffentlichten Bildungsbericht der OECD die Beschäftigungsquote bei jungen Menschen mit Berufsausbildung fast genauso hoch wie bei Hochschulabsolventen. Und was spricht vielleicht doch für eine Ausbildung?

REE:THINK hat bei Mats Hansen, 24, nachgefragt, der gerade seine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH mit Bestnote abgeschlossen hat.

Mats, was für eine Ausbildung hast Du absolviert?

Ich habe eine zweieinhalbjährige Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht. Das bedeutet, dass ich jeweils ca. 2-6 Wochen in einer Fachabteilung mitgearbeitet und im Anschluss 6-8 Wochen die Schulbank gedrückt habe. Die Schulfächer orientierten sich dabei an kaufmännischen Themen wie Bilanzierung & Finanzierung oder Beschaffung & Absatz. Im Betrieb habe ich insgesamt 16 Fachabteilungen durchlaufen, unter anderem in den Bereichen Sales & Marketing und Planning & Supply. Am Reemtsma-Standort kommt den Auszubildenden hier eine Besonderheit zugute, denn neben klassischen Reemtsma-Abteilungen hat auch der Mutterkonzern Imperial Brands globale Funktionen am Standort. Diese lernt man ebenfalls kennen und bekommt so ein gutes Gefühl von den Arbeitsabläufenund den Zusammenhängen innerhalb des Konzerns. Insgesamt also ein echt vielfältiges Programm!
Später kann man ein Schwerpunktgebiet wählen, das war bei mir Corporate Affairs – hier werden Politik und Kommunikation in Deutschland verantwortet. Im herausfordernden regulativen Umfeld der Zigarette und rund um die Einführung der E-Zigarette, die ja eine völlig neue Kategorie für das Unternehmen ist, war das für mich ein besonders interessanter Bereich.

Die klassische Ausbildung ist doch eigentlich out – was hat Dich dennoch dazu bewogen?

Um ehrlich zu sein, wusste ich nach dem Abitur nicht so genau, was ich studieren sollte. Ich glaube, das ist ein Problem, das sehr viele Absolventen heutzutage haben. Da dachte ich mir: Eine fundierte kaufmännische Ausbildung schadet nie. Außerdem habe ich mir erhofft, dass ich durch die Mitarbeit in verschiedenen Bereichen während der Ausbildung entdecke, was mir liegt und Spaß macht, um danach mein Studium nach der Ausbildung auszuwählen. Und tatsächlich: Weil ich so viele verschiedene Abteilungen kennenlernen konnte, hat sich auch mein Studien- und späterer Berufswunsch konkretisiert.

Warum hast Du Dich für Reemtsma entschieden?

Ich hatte die „Top-Arbeitgeber“-Auszeichnung in der Zeitung entdeckt und fand erstmal, dass es spannend klang. Mein Umfeld hat sofort positiv reagiert, in Hamburg ist Reemtsma als Traditionsunternehmen mit starken Werten und einer guten Work-Life-Balance lange bekannt.
Ein Wahnsinnsvorteil für mich: Die Bewerbungsgespräche und das Assessment-Center fanden ein Jahr vor Ausbildungsbeginn statt, d. h., ich konnte meine Pläne für ein Auslandsjahr in Südafrika ruhigen Gewissens verwirklichen und hatte die anschließende Ausbildung schon sicher. Ich hab mich für einen Freiwilligendienst in einem Township in der Nähe von Johannesburg entschieden – eine sehr aufregende und prägende Erfahrung!

Wie wird es nun weitergehen?

Nach der Ausbildung bin ich für ein halbes Jahr in der Abteilung Corporate Affairs geblieben, werde aber in Kürze mein Studium aufnehmen und dann als Werkstudent hier bei Reemtsma weiterarbeiten.

Was willst Du studieren?

Wirtschaftsrecht und Politikwissenschaften. Ich habe ja meinen Schwerpunkt in der Ausbildung im Bereich Corporate Affairs gewählt, weil mich die Arbeit dort wirklich fasziniert hat. Tabak ist ein kontroverses Produkt, das vielen Regulierungen unterliegt – dieses Zusammenspiel zwischen Politik und Recht erscheint mir einfach sehr herausfordernd und hat definitiv mein Interesse an diesen Studienfächern geweckt. Und auch bei der Einführung der E-Zigarette konnte ich über diese Prozesse sehr viel lernen.

Woran liegt es denn, dass so wenige Schulabgänger sich für eine Ausbildung entscheiden?

Das hat aus meiner Sicht eher Imagegründe. Ist mir auch mal passiert, dass die Leute meine Ausbildung ein bisschen abgetan haben, als wäre das weniger wert als ein Studium. Aber da muss man drüberstehen. Rein von den gesammelten Erfahrungen und der Arbeitspraxis her sind Auszubildende den Studierenden erstmal ein ganzes Stück voraus. Außerdem ist das ja schließlich erst der Anfang der Karriere, und Studieren kann man ja im Anschluss immer noch!

Hast Du einen Tipp für Einsteiger?

Oh ja: Nutzt eure Chancen und seid nicht schüchtern, dann eröffnen sich viele Möglichkeiten! Zu Anfang meiner Ausbildung war ich etwas erschlagen von der neuen Unternehmenswelt und hatte zudem auch etwas Berührungsängste meinen Kollegen und Vorgesetzten gegenüber. Mit der Zeit hab ich mich wohler gefühlt, weil hier alle so locker sind und wenig hierarchisch denken. Dann hab ich die Gelegenheiten auch genutzt, viel zu fragen oder mir Möglichkeiten zu schaffen. So kam ich z. B. zu einem sechswöchigen Aufenthalt in einem unserer Werke in Polen, wo ich in einem unserer Werke in der Produktionsplanung mit unterstützen durfte. Das war wahnsinnig spannend, die Arbeit, aber auch das Leben in einem mir bis dato unbekannten Land. Jetzt bin ich 24 und hab schon zwei Auslandsaufenthalte hinter mir sowie eine Ausbildung abgeschlossen – also, ich würde mich jederzeit wieder dafür entscheiden!