24.04.2020 Facts

BfR-Umfra­ge zeigt: Gro­ße Unwis­sen­heit über die E‑Zigarette

Wer kennt sich hierzulande am besten mit E-Zigaretten aus? Jetzt ist es amtlich: Die Raucher sind es nicht. Die Nicht-Raucher sind es aber auch nicht. Genau genommen ist der Großteil der Menschen in Deutschland weitgehend ahnungslos, worin eigentlich der Unterschied zwischen einer Tabakzigarette und einer E-Zigarette besteht.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)[1], jener Behörde, die die Bundesregierung wissenschaftlich in der Lebensmittelsicherheit berät und sich um den gesundheitlichen Verbraucherschutz in Deutschland kümmert.

Danach glaubt die Mehrheit der 1.006 vom BfR Befragten, dass E-Zigaretten mindestens genauso schädlich seien wie klassische Tabakzigaretten. Nur sechs Prozent schätzen das gesundheitliche Risiko als „viel niedriger“ und 21 Prozent als „eher niedriger“ ein.

Auffällig: Bei Zigarettenrauchern ist die Angst vor gesundheitlichen Risiken der E-Zigarette ungleich höher als bei ihren Nutzern – ein gravierender Irrtum. Dies ist umso alarmierender, da nur fünf Prozent der befragten Raucher planen, zukünftig die E-Zigarette zu nutzen.

Tatsächlich würde jeder Zigarettenraucher beim Umstieg von den deutlich geringeren Gesundheitsrisiken von E-Zigaretten profitieren. So attestiert sogar die Britische Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) der E-Zigarette 95 Prozent weniger Schädlichkeit als der Tabakzigarette.[2] Dieses Ergebnis deckt sich mit vielen weiteren unabhängigen wissenschaftlichen Studien (einen Überblick finden Sie hier: http://www.reemtsma.com/reethink/e-zigarette-die-wichtigsten-studien-im-ueberblick/).

 

Umfrage stellt politische Diskussion in ein neues Licht

Die Umfrage des BfR wirft ein völlig neues Licht auf die Diskussion um eine geplante Ausweitung des Tabakwerbeverbotes. Seit Monaten diskutiert die große Koalition darüber, die Informationsmöglichkeiten auch für E-Zigaretten und Tabakerhitzer deutlich einzuschränken. Dabei wäre, wie die BfR-Umfrage eindrücklich zeigt, gerade mehr Aufklärung über die unterschiedlichen Risiken der verschiedenen Produkte sinnvoll – und aus gesundheitspolitischer Sicht geboten! Denn je stärker die Informationsmöglichkeiten eingeschränkt werden, desto schwieriger wird es für Tabakraucher, sich sachlich über Produkte mit geringeren gesundheitlichen Risiken zu informieren.

 

Großes Potenzial zur Rauchentwöhnung weitgehend unbekannt

Weitgehend unbekannt ist laut BfR-Erhebung zudem das Potenzial der E-Zigarette bei der Rauchentwöhnung. Immerhin sehen 24 Prozent der Befragten die E-Zigaretten als Möglichkeit zur Rauchentwöhnung und 22 Prozent als weniger schädliche Alternative zur Tabakzigarette. Im Sinne einer gesundheitlichen Aufklärung sollte man darauf aufbauen. Denn nach Meinung von Experten gehört die E-Zigarette zu den wichtigsten Mitteln bei der Rauchentwöhnung – das geht z.B. aus der DEBRA-Studie der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf[3] klar hervor. Und selbst im Drogenbericht der Bundesregierung heißt es, die E-Zigarette sei „die in der Praxis am häufigsten eingesetzte Methode der Tabakentwöhnung"[4].

Doch statt Fakten stehen in der öffentlichen Diskussion häufig Vorurteile und Missverständnisse im Fokus.

„Bei den vielen deutlich risikoärmeren Produkten, die es heute auf dem Markt gibt, ist es traurig zu sehen, dass viele Raucher den Umstieg auf weniger gesundheitsschädigende Alternativen wie die E-Zigarette aus Unwissenheit nicht wagen. Daher wäre es jetzt umso wichtiger, dass die Bundesregierung entsprechende Informationsangebote nicht noch weiter einschränkt“, kommentiert Dr. Thomas Nahde, Leiter Scientific Engagement DACH & NORDICS bei Reemtsma, die Ergebnisse der BfR-Umfrage.

 

Aufklärung gegen bestehende Unwissenheit

Doch woher rührt eigentlich die große Unkenntnis über die erheblichen Unterschiede zwischen Tabak- und E-Zigarette? Die emotionale öffentliche Diskussion über das von der Großen Koalition geplante Tabakwerbeverbot ist eine mögliche Erklärung für die Skepsis der Deutschen gegenüber der E-Zigarette. Ein weiterer Grund könnte auch das geringe Vertrauen in staatliche Stellen beim Gesundheitsschutz sein: Nur 19 Prozent der Befragten in der BfR-Umfrage gaben an, hohes bis sehr hohes Vertrauen in staatliche Stellen beim Schutz vor gesundheitlichen Risiken der E-Zigarette zu haben.

„Die Sorge vor mangelnder staatlicher Regulierung ist unberechtigt. E-Zigaretten und ihre Inhaltsstoffe unterliegen strengen EU-Richtlinien zum Verbraucherschutz. Um die Risiken unregulierter Produkte und ihrer Inhaltsstoffe zu vermeiden, sollten Verbraucher in Deutschland ihre Vaping-Produkte nicht auf dem Schwarzmarkt kaufen.“, so Dr. Thomas Nahde. Eben jene, von der EU nicht zugelassenen Inhaltsstoffe vom Schwarzmarkt, gelten mittlerweile als Ursache für die Todesfälle im Zusammenhang mit E-Joints in den USA. Immer wieder haben deutsche Medien solche E-Joints fälschlicherweise mit E-Zigaretten gleichgesetzt.  Vor diesem Hintergrund rät auch das BfR vom Selbermischen von e-Liquids ab.[5] Durch unsachlich und emotional geführte Diskussionen in den Medien werden wissenschaftlich meist unbegründete Ängste beim Verbraucher geschürt, die Debatte um ein Werbeverbot weiter angefacht und gesellschaftliche Möglichkeiten zur Verminderung der gesundheitlichen Risiken bei Rauchern versäumt.

Tatsächlich handelt es sich bei E-Joints und E-Zigaretten um zwei völlig unterschiedliche Produkte. Die BfR-Umfrage zeigt nun einmal mehr sehr deutlich, wie gefährlich es ist, beide Produkte miteinander gleichzusetzen. „Wir alle wünschen uns eine möglichst gesunde Bevölkerung und der absolute Rauchstopp ist für Raucher hierbei die beste Möglichkeit. Insbesondere bei denjenigen Rauchern, die im ersten Schritt jedoch nicht mit dem Rauchen aufhören können oder wollen, kann der Wechsel von der Tabakzigarette zu deutlich risikoärmeren Produkten wie der E-Zigarette oder Kautabak einen ergänzenden wichtigen Beitrag dazu leisten. Daher sollten alle durch eine verantwortungsvolle und faktenbasierte Aufklärung an einem Strang ziehen und die Unwissenheit, die sich aus Verboten ergeben können, nicht noch weiter vergrößern“, appelliert Dr. Thomas Nahde.

In diesem Sinne ist die BfR-Umfrage ein Schritt in die richtige Richtung, da sie schon jetzt einen großen Bedarf für gesundheitliche Aufklärung im Zusammenhang mit risikoreduzierten Alternativen für Raucher aufzeigt.

 

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[1] Die repräsentative Umfrage wurde bundesweit zwischen dem 6. und 19. Dezember 2019 telefonisch unter 1.006 Befragten ab 14 Jahren durchgeführt. https://www.bfr.bund.de/cm/350/bfr-verbrauchermonitor-2019-spezial-e-zigaretten.pdf

[2] https://www.gov.uk/government/publications/e-cigarettes-an-evidence-update

[3] https://www.aerzteblatt.de/int/archive/article/197397#lit

[4] https://www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/Drogenbeauftragte/4_Presse/1_Pressemitteilungen/2019/2019_IV.Q/DSB_2019_mj_barr.pdf

[5] https://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2019/39/dampfen__bfr_raet_vom_selbstmischen_von_e_liquids_ab-242478.html