31.05.2018 Facts

Zum Welt­nicht­rau­cher­tag am 31. Mai: Die 7 größ­ten Mythen über die E-Ziga­ret­te im Fak­ten­check

Frü­her waren die Fron­ten klar geklärt am Welt­nicht­rau­cher­tag. Auf der einen Sei­te die Befür­wor­ter, auf der ande­ren Sei­te die Geg­ner der Ziga­ret­te. Seit der Ein­füh­rung des Tages durch die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) 1987 hat sich aller­dings eini­ges getan, um die Gren­ze zwi­schen bei­den Grup­pen auf­zu­lö­sen. Wich­ti­ge Inno­va­ti­on auf die­sem Weg: die E-Ziga­ret­te, die Rau­chen – oder Damp­fen – ohne Tabak ermög­licht und damit eine deut­lich gerin­ge­re Schäd­lich­keit auf­weist, so die Befür­wor­ter, dar­un­ter die bri­ti­sche Regie­rungs­agentur Public Health. Von der WHO selbst gibt es aber zum The­ma bis­her kei­nen offi­zi­el­len Stand­punkt . Ver­pass­te Chan­ce oder berech­tig­te Zurück­hal­tung?

Damit Inter­es­sier­te sich der Kate­go­rie E-Ziga­ret­te öff­nen kön­nen und eine Dis­kus­si­on auf Augen­hö­he begin­nen kann, soll­te jeder die Fakten ken­nen. Hier die ver­brei­tets­ten Mythen – und ihr Wahr­heits­ge­halt.

1.

MYTHOS: Die E-Zigarette existiert im rechtsfreien Raum, es gibt keine Gesetzgebung.

FAKT: Falsch. Die E-Ziga­ret­te ist seit 2016 durch das Tabak­erzeug­nis­ge­setz in Deutsch­land regu­liert. Dadurch unter­lie­gen E-Ziga­ret­ten stren­gen Qua­li­täts- und Sicher­heits­stan­dards sowie Ver­pa­ckungs- und Kenn­zeich­nungs­an­for­de­run­gen, um Ver­brau­chern alle not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen zu lie­fern und Stan­dards in Sachen Pro­dukt­qua­li­tät und -sicher­heit zu set­zen. Das gilt für die Gerä­te und die Zusam­men­set­zung der E-Ziga­ret­ten­li­quids in offe­nen und geschlos­se­nen Sys­te­men.

 

2.

MYTHOS: E-Zigaretten und klassische Zigaretten sind sich sehr ähnlich.

FAKT: Im Gegen­teil! E-Ziga­ret­ten ent­hal­ten näm­lich kei­nen Tabak.

Wich­tig ist: Auch E-Ziga­ret­ten sind nicht ohne Risi­ko. Aber exter­ne, unab­hän­gi­ge Stu­di­en kom­men zu dem Schluss, dass E-Ziga­ret­ten ein deut­lich gerin­ge­res Risi­ko auf­wei­sen als Tabak­pro­duk­te. Laut der bri­ti­schen Regie­rungs­agentur Public Health (2015 und 2018) sind E-Ziga­ret­ten 95 % weni­ger schäd­lich als her­kömm­li­che Ziga­ret­ten.

Schad­stof­fe (Teer, Koh­len­mon­oxid) ent­ste­hen zumeist in Zusam­men­hang mit Tabak – E-Liquids sind immer tabak­frei.

Zudem sind E-Ziga­ret­ten bei Bedarf auch ohne Niko­tin erhält­lich und bie­ten so Kon­su­men­ten die Frei­heit, Ent­schei­dun­gen zu ihrer Gesund­heit selbst zu tref­fen.

 

3.

MYTHOS: E-Zigaretten enthalten Tabak.

FAKT: Oft wer­den E-Ziga­ret­ten fälsch­li­cher­wei­se in einen Topf gewor­fen mit Tabak­er­hit­zern. Dabei sind E-Ziga­ret­ten immer ohne Tabak.

Bei E-Ziga­ret­ten wird eine oft niko­t­in­hal­ti­ge, aber tabak­freie Flüs­sig­keit, das E-Liquid, erhitzt. Bei Tabak­er­hit­zern wird Tabak erhitzt.

E-Ziga­ret­ten und Tabak­er­hit­zer dür­fen nicht in einen Topf gewor­fen wer­den“, so Ute Mons vom Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ) in Hei­del­berg in einer dpa-Mel­dung zum Welt­nicht­rau­cher­tag. „E-Ziga­ret­ten erhit­zen eine meist niko­t­in­hal­ti­ge Flüs­sig­keit, und das ent­ste­hen­de Aero­sol ent­hält bei sach­ge­mä­ßem Gebrauch kaum krebs­er­zeu­gen­de Sub­stan­zen.“

 

4.

MYTHOS: Keiner weiß genau, welche Stoffe sich in E-Zigaretten befinden.

FAKT: Auch das stimmt nicht. Die Bestand­tei­le der E-Liquids, die in E-Ziga­ret­ten genutzt wer­den, sind sehr genau bekannt und geprüft.

  1. Da ist zum einen pflanz­li­ches Gly­ze­rin, das für mehr Stand­fes­tig­keit im Dampf sorgt. Es ist nach der EU-Öko-Ver­ord­nung für Bio-Pro­duk­te zuge­las­sen und hat einen rein pflanz­li­chen Ursprung. Der als völ­lig unbe­denk­lich ein­ge­stuf­te Stoff wird etwa ein­ge­setzt in Kakao­wa­ren, Scho­ko­la­den­er­zeug­nis­sen, Dat­teln und Kau­gum­mi.
  2. Der zwei­te Bestand­teil: Pro­py­len­gly­kol (PG), ein in der EU zuge­las­se­ner Lebens­mit­tel­zu­satz­stoff, der u. a. für Kau­gum­mis genutzt wird. Auch in Kos­me­tik­pro­duk­ten wie Zahn­pas­ta und Mund­wäs­sern wird er als Feucht­hal­te­mit­tel benutzt. In E-Ziga­ret­ten ist PG für die Dampf­bil­dung ver­ant­wort­lich. Der Zusatz­stoff ist unbe­denk­lich für den mensch­li­chen Kör­per.
  3. Als drit­ter Bestand­teil wer­den oft Aro­men ein­ge­setzt. Die­se sind bei in Deutsch­land zuge­las­se­nen Pro­duk­ten von der Euro­päi­schen Behör­de für Lebens­mit­tel­si­cher­heit (EFSA) als Lebens­mit­tel­aro­men zuge­las­sen und sind kaum von natür­li­chen Aro­men zu unter­schei­den.
  4. Dazu kommt destil­lier­tes Was­ser.
  5. Und last but not least: wahl­wei­se Niko­tin als Bestand­teil Num­mer 5.

 

5.

MYTHOS: E-Zigaretten sind schädlich, da sie Nikotin enthalten.

FAKT: Klar ist, dass auch die E-Ziga­ret­te nicht ohne Risi­ko ist. Aber sie stellt eine gute Alter­na­ti­ve mit, laut exter­nen Stu­di­en, deut­lich gerin­ge­rer Schäd­lich­keit dar (sie­he Mythos 2 oben).

E-Ziga­ret­ten ent­hal­ten meist Niko­tin – es gibt sie aber auch niko­tin­frei. Niko­tin ist ein was­ser­an­zie­hen­des und farb­lo­ses Öl, wie es in der Natur neben Tabak­pflan­zen auch in ande­ren Nacht­schat­ten­ge­wäch­sen vor­kommt. Niko­tin ist laut der Inter­na­tio­na­len Agen­tur für Krebs­for­schung nicht als krebs­er­re­gen­de Sub­stanz bekannt. Aber natür­lich ist Niko­tin ein Stoff, der abhän­gig macht. Daher rich­tet sich die E-Ziga­ret­te nur an erwach­se­ne Rau­cher.

 

6.

MYTHOS: „Passivdampfen“ gibt es auch bei E-Zigaretten.

FAKT: Falsch. Das „Pas­siv­damp­fen“ von E-Liquids gefähr­det nicht die Gesund­heit. Im Gegen­satz zu her­kömm­li­chen Ziga­ret­ten gibt es näm­lich kei­nen Neben­strom­rauch. Eine Evi­denz­über­prü­fung der bri­ti­schen Regie­rungs­agentur Public Health Eng­land (2018) stell­te kei­ne gesund­heit­li­chen Risi­ken von pas­si­vem Dampf für Umste­hen­de fest.

 

7.

MYTHOS: Die E-Zigarette wird als trojanisches Pferd benutzt, um noch mehr Leute zum Rauchen zu bringen.

FAKT: Auch hier ein kla­res: No! E-Ziga­ret­ten rich­ten sich nur an erwach­se­ne Rau­cher, also die­je­ni­gen, die bereits rau­chen. Sie bie­ten die Chan­ce, dass mehr und mehr Rau­cher zu der wesent­lich gesün­de­ren Alter­na­ti­ve grei­fen. Wis­sen­schaft­ler um David Levy von der George­town Uni­ver­si­ty in Washing­ton ent­wi­ckel­ten zwei Rechen­mo­del­le, wie der Wech­sel vie­ler Rau­cher zur E-Ziga­ret­te in den USA aus­se­hen könn­te. Im Fach­blatt „Tobac­co Con­trol“ beschrieb das Team, wie im bes­ten Fal­le in zehn Jah­ren 6,6 Mil­lio­nen vor­zei­ti­ge Todes­fäl­le ver­mie­den wer­den könn­ten. Selbst im schlech­tes­ten Fal­le ergab die Modell­rech­nung noch, dass der Umstieg aufs Damp­fen zu 1,6 Mil­lio­nen weni­ger Todes­fäl­len füh­ren wür­de.

 

FAZIT:

Vie­le der Mythen, die sich um E-Ziga­ret­ten ran­ken, erwei­sen sich als kaum fun­diert oder sogar falsch. Ohne die Risi­ken zu ver­schwei­gen, soll­ten die Mög­lich­kei­ten, die sich durch E-Ziga­ret­ten bie­ten, auf der Basis der Fakten dis­ku­tiert wer­den. Was ist Ihre Mei­nung? Schrei­ben Sie uns an: magazin@reemtsma.de