10.10.2018 Opinions

Wie unter­schied­li­che Weis­hei­ten zum The­ma Alko­hol die Kon­su­men­ten ver­wir­ren

„Ein Glas Rotwein am Tag ist gesund.“ „Bereits ein Glas Wein am Tag kann abhängig machen.“ „Alkohol schützt vor Herzinfarkt.“ „Schon geringe Mengen Alkohol sind gesundheitsschädigend.“ „Alkohol macht schlau.“ „Alkohol macht dumm.“

All diese Zeilen werden Ihnen bekannt vorkommen. Aber: ja, wie denn nun? Wie widersprüchlich die Berichterstattung und die oftmals dahinterstehenden Studien sind, zeigt sich in den gegensätzlichen Botschaften. Wer regelmäßig Zeitung liest oder Nachrichten im Fernsehen sieht, der dürfte inzwischen ziemlich verwirrt sein.

 

Wer nicht trinkt, bleibt dumm

Interessanterweise basieren all diese Aussagen tatsächlich auf jeweils wissenschaftlich fundierten Studien. So rät eine Studie von der renommierten Universität Cambridge, die Richtwerte für Alkohol nach unten zu korrigieren, die derzeit in Deutschland bei 140 Gramm reinem Alkohol für Männer und 70 Gramm für Frauen liegen. Die Studie belegt, dass diese Menge bereits das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht und die Lebenserwartung deutlich verringert. Gleichzeitig ergab die Studie jedoch auch, dass das Risiko für nicht-tödliche Herzinfarkte wiederum sinkt.

Auch das Risiko, an Diabetes zu erkranken, könne durch den moderaten Konsum von Alkohol verringert werden, entdeckten Wissenschaftler des National Institute of Public Health in Dänemark. Alkohol mache sogar schlau, ergab eine Untersuchung von 10.000 Beamten durch das Londoner University College. Probanden, die mindestens einmal pro Woche Alkohol tranken, schnitten in den Tests besser ab als Abstinenzler.

Auch Studien sind mit Vorsicht zu genießen

Welcher Studie Glauben schenken – das ist eine echte Gretchenfrage. Denn es geht nicht darum, ob die Studien richtig oder falsch sind, die Frage ist vielmehr: Betrachten sie das große Ganze? In der Regel beziehen sie sich auf einen Teilaspekt. Es mag korrekt sein, dass Untersuchungen gezeigt haben, dass das Risiko, an Diabetes zu erkranken, gemindert wird. Gegen die Gefahr, der Herz und Kreislauf oder auch die Leber ausgesetzt sind, wird dieser Fakt jedoch nicht abgewogen. Auch mag es stimmen, dass ein gewisser Unterschied hinsichtlich des Intelligenzgrads zwischen Alkoholkonsumenten und Abstinenzlern herausgefunden wurde – aber weiß man, was Letztere dazu bewog, dem Trinken abzuschwören? Vielleicht waren es eine Vorerkrankung oder aber übermäßiger Konsum, die evtl. schon ihre Schäden hinterlassen hatten?

Gut informierte Verbraucher müssen Risikofaktoren individuell betrachten

Die Frage bleibt, ob es eigentlich darum geht, alles im Leben richtig zu machen. Ob der Mensch vollkommen risikolos leben möchte und sollte. Ob man überhaupt alles vermeiden kann, was eine potenzielle Gefahr darstellt – und ob man da noch Spaß hat?

Jeder Verbraucher kann nur für sich selbst entscheiden, wie er mit den Ergebnissen derartiger Studien umgeht, wie er sie einordnet. Es ist sicherlich wichtig, sich umfassend zu informieren, dabei nicht nur auf eine Informationsquelle zu setzen und schließlich abzuwägen, was das Beste für einen persönlich ist.

Ein gesunder Mensch, der Sport treibt und sich ausgewogen ernährt, kann sich wahrscheinlich mehr erlauben als jemand, der bereits gesundheitlich vorbelastet ist. Das gilt natürlich nicht nur für den Genuss von Alkohol, sondern auch für alle weiteren kontrovers diskutierten Verhaltensweisen. Wer sich ausgewogen ernährt, muss sicherlich nicht komplett auf Zucker oder Fleisch verzichten. Wer öfter mal zu Fuß geht, das Rad nimmt oder in seiner Freizeit Ausgleichssport betreibt, kann ohne schlechtes Gewissen auch das Auto benutzen. Und wer Social Media nicht mit dem realen Leben verwechselt und weiterhin seinen Freundeskreis pflegt oder Hobbys nachgeht, dem schaden auch die neue Medien à la Smartphone & Co. nicht.

Wissenschaftler oder Journalisten können Verbrauchern die Entscheidung diesbezüglich nicht abnehmen. Aber sie liefern die Grundlage, damit diese sich gut informieren können. Gepaart mit ehrlicher Selbsteinschätzung und dem eigenen Bauchgefühl muss der Konsument dann das für sich richtige Handeln selbst bestimmen.