08.02.2018 Sto­ries

It’s a Man’s World? War­um Frau­en bei Reemts­ma in die Füh­rungs­ebe­ne ge­hö­ren

Se­xis­mus-De­bat­te, un­glei­che Ge­häl­ter, Frau­en­quo­te, Kin­der oder Kar­rie­re. Was die Gleich­be­rech­ti­gung zwi­schen Män­nern und Frau­en an­geht, scheint es auch 2018 noch er­heb­li­che De­fi­zi­te zu ge­ben . Ist das wirk­lich so? Und wie sieht das bei Reemts­ma aus?

 

Ree:THINK hat bei Reemts­ma mit zwei Mit­ar­bei­te­rin­nen über ih­re Er­fah­run­gen ge­spro­chen. Dr. Jen­ni­fer Cor­ds, Cor­po­ra­te Af­fairs and Com­p­li­an­ce Ma­na­ger bei Glo­bal Du­ty Free  und Dr. Re­gi­ne Wolf­gramm, Ge­ne­ral Ma­na­ger La­bo­ra­to­ry Net­work in­ner­halb Pro­duct Sci­ence bie­ten nicht nur span­nen­de Ein­bli­cke in ih­re Kar­rie­re, son­dern ha­ben auch gu­te Tipps für Frau­en im Be­rufs­le­ben pa­rat.

Frau Dr. Cor­ds, Sie sind Mut­ter von zwei Kin­dern und lei­ten gleich­zei­tig den Be­reich Cor­po­ra­te Af­fairs bei ­Glo­bal Du­ty Free von Reemts­ma – geht das über­haupt?

JC: Nein, ei­gent­lich nicht! Das ist wie bei dem be­rühm­ten Pa­ra­do­xon der Hum­mel: Sie ist viel zu dick und hat zu kur­ze Flü­gel, um zu flie­gen. Sie tut es aber trotz­dem. Nach die­sem Pa­ra­do­xon le­be ich auch. Und das klappt, ob­wohl es tur­bu­lent zu­geht.

Und Frau­en im Be­reich Wis­sen­schaft und Tech­nik sind Exo­ten – ein Vor­ur­teil, Frau Dr. Wolf­gramm, oder wahr?

RW: Ich glau­be, dass das in­zwi­schen eher ein Vor­ur­teil ist. Als ich 1989 an­fing, Che­mie zu stu­die­ren, da war ich ei­ne von ganz we­ni­gen Frau­en. In­zwi­schen liegt der An­teil weib­li­cher Stu­die­ren­der in die­sem Stu­di­en­fach be­reits bei 46 %. Hier im La­bor bei Reemts­ma in Ham­burg ha­ben wir so­gar ei­nen Frau­en­über­schuss.

Muss­ten Sie für Ih­re heu­ti­ge Rol­le be­son­ders kämp­fen? Dop­pelt so gut sein wie die männ­li­chen Kol­le­gen? O­der wur­den Ih­nen so­gar schon mal Stei­ne in den Weg ge­legt?

JC: Das kann ich ei­gent­lich nicht be­haup­ten. Klar, du musst ehr­gei­zig und gut sein, um vor­an­zu­kom­men, aber schwer ge­macht wur­de es mir nicht. Mit zwei Kin­dern Voll­zeit zu ar­bei­ten und ei­ne Füh­rungs­rol­le aus­zu­fül­len, be­deu­tet aber, dass du Un­ter­stüt­zer brauchst, die dir das er­mög­li­chen. Das ist in ers­ter Li­nie mein Mann, der sel­ber zu­rück­steckt, um mir den Rü­cken frei­zu­hal­ten. Und mein Chef, der mir das nö­ti­ge Ver­trau­en schenkt.

RW: Die Er­fah­rung ha­be ich glück­li­cher­wei­se auch nie ge­macht. Al­ler­dings muss man je­de Chan­ce er­ken­nen und für sich nut­zen, die sich ei­nem bie­tet. Mir ist die Kar­rie­re si­cher­lich auch nicht in den Schoß ge­fal­len. Ich stim­me Frau Dr. Cor­ds zu, dass in ers­ter Li­nie Leis­tung ge­fragt ist, aber si­cher­lich auch Fle­xi­bi­li­tät und die Be­reit­schaft, sich ent­wi­ckeln und Neu­es aus­pro­bie­ren zu wol­len.

© Reemts­ma
Dr. Jen­ni­fer Cor­ds, Cor­po­ra­te Af­fairs & Com­p­li­an­ce Ma­na­ger bei Glo­bal Du­ty Free

Was macht Reemts­ma hier bes­ser als an­de­re Un­ter­neh­men?

RW: Das ist in­so­fern für mich schwer zu be­ur­tei­len, da ich im­mer für Reemts­ma bzw. un­se­re Kon­zern­mut­ter Im­pe­ri­al Brands ge­ar­bei­tet ha­be und an­de­re Un­ter­neh­men nicht von in­nen ken­ne. Aber was ei­ne so Reemts­ma-ty­pi­sche  In­itia­ti­ve ist, die ge­ra­de hier läuft und die ich su­per fin­de, ist un­ser En­ga­ge­ment zum The­ma Di­ver­si­ty. Wir ha­ben sie her­aus­ge­löst aus der klas­si­schen Ras­sen- und Ge­schlech­ter­rol­le und sa­gen: Je­der Mensch ist an­ders. Und wir brau­chen je­den! Un­se­re Teams sind am bes­ten, wenn sie mit ver­schie­de­nen Cha­rak­te­ren bunt durch­mischt sind. Ich hof­fe, dass die­ses The­ma noch ei­ne gan­ze Wei­le hier ak­tu­ell bleibt.

JC: Ja, da ist et­was dran. Was die Of­fen­heit für die­se Dis­kus­si­on an­geht, kön­nen wir si­cher­lich von der in­ter­na­tio­na­len Aus­rich­tung des Un­ter­neh­mens pro­fi­tie­ren. In Skan­di­na­vi­en bei­spiels­wei­se sind die Fir­men – aber auch die Mit­ar­bei­ter/-in­nen – schon viel wei­ter. Da kön­nen wir schau­en: Wie ma­chen die das? Oder auch in Frank­reich hat man ein ganz an­de­res Ver­hält­nis zu El­tern­schaft und Be­ruf – wenn das da funk­tio­niert, dann wird deut­lich: dann klappt das hier auch. Die An­nä­he­rung tut al­len gut und hilft hof­fent­lich lang­fris­tig, das The­ma zu nor­ma­li­sie­ren.

Die ak­tu­el­le Se­xis­mus-De­bat­te zeigt, wie schwer es Frau­en heut­zu­ta­ge im­mer noch ha­ben, sich ge­gen­über Män­nern in Füh­rungs­po­si­tio­nen zu be­haup­ten. Ha­ben Sie ei­nen Rat für Ih­re Kol­le­gin­nen?

JC: Die Ge­las­sen­heit und Stand­fes­tig­keit kommt si­cher­lich mit der Er­fah­rung. Ich er­in­ne­re mich aber noch gut dar­an, wie ich als ganz jun­ge An­ge­stell­te ei­nen Vor­trag hal­ten soll­te. An­stän­dig, wie ich es ge­lernt ha­be, er­schien ich in ei­nem schwar­zen Ho­sen­an­zug mit wei­ßer Blu­se. Nach­dem ich erst mehr­fach von Gäs­ten nach den Not­aus­gän­gen, Toi­let­ten und et­was zu trin­ken ge­fragt wur­de, ha­be ich ge­nau das in mei­nem Vor­trag di­rekt the­ma­ti­siert. Ei­ne jun­ge Frau, or­dent­lich ge­klei­det im schwar­zen Ho­sen­an­zug, er­weckt erst­mal di­rekt den An­schein, ei­ne Hos­tess zu sein. Die­ses Selbst­be­wusst­sein, di­rekt ei­nen Punkt an­zu­spre­chen, hat mir si­cher­lich auch spä­ter im­mer ein ge­wis­ses Stan­ding ver­lie­hen. Und ich ha­be ge­lernt: Tritt als Frau nie in ei­ner Schwarz-Weiß-Kom­bi­na­ti­on auf!

RG: Ich stim­me Frau Dr. Cor­ds zu, dass die­se Si­tua­tio­nen im Lau­fe der Kar­rie­re schwin­den. Aber ih­re An­ek­do­te hat mich dar­an er­in­nert, dass es ab und zu bei mir auch an­fangs spit­ze Kom­men­ta­re gab. Zum Bei­spiel war da der äl­te­re Kol­le­ge, der mich ger­ne de­spek­tier­lich mit „Frau Dok­tor“ an­sprach. Mein Tipp für al­le Frau­en: mit Charme und Witz die­se Men­schen in ih­re Gren­zen wei­sen. Im­mer of­fen die Mei­nung sa­gen und Kan­te zei­gen. Und falls die Bot­schaft freund­lich ver­packt nicht an­kommt, das per­sön­li­che Vier-Au­gen-Ge­spräch su­chen.

Brin­gen Sie als Frau ei­nen be­son­de­ren Mehr­wert im Team?

RW: Auf je­den Fall! Die Mi­schung macht’s aus mei­ner Sicht. Frau­en sind häu­fig em­pa­thisch, brin­gen mehr emo­tio­na­le In­tel­li­genz als Män­ner mit. Die­se Stär­ke ist auch wich­tig für je­des Team.

Wür­den Sie im Nach­hin­ein et­was an­ders ma­chen? Was wür­den Sie der jun­gen Jen­ni­fer ra­ten, Frau Dr. Cor­ds?

Ei­gent­lich wür­de ich al­le Ent­schei­dun­gen wie­der ge­nau­so tref­fen. Ich ha­be im­mer stark an mir ge­ar­bei­tet, ha­be viel re­flek­tiert, bin hung­rig ge­blie­ben. Der­zeit ist das The­ma Brex­it für mich per­sön­lich im Be­reich Du­ty Free so span­nend und her­aus­for­dernd, dass ich 22-Stun­den-Ta­ge gar nicht rich­tig be­mer­ke. Ah, ge­nau, DAS wür­de ich der jun­gen Jen­ni­fer emp­feh­len: Mach mehr Ur­laub, so­lan­ge du noch kei­ne Kin­der hast .

Noch ei­ne Bot­schaft, die Sie ger­ne los­wer­den möch­ten, Frau Dr. Wolf­gramm?

Ja, bleibt neu­gie­rig und fle­xi­bel! Hin­ter­fragt auch im­mer mal wie­der eu­re Ein­stel­lung zu den Din­gen. Dann bie­ten sich näm­lich ei­ne Men­ge Mög­lich­kei­ten in Kar­rie­re und Le­ben. Und wir er­rei­chen dann si­cher­lich auch die an­ge­streb­ten Frau­en­quo­ten in Vor­stand, Auf­sichts­rat und Ma­nage­ment.

© Reemts­ma
Dr. Re­gi­ne Wolf­gramm, Ge­ne­ral Ma­na­ger La­bo­ra­to­ry Net­work bei Pro­duct Sci­ence