14.12.2017 Stories

Brüs­sels gesund­heits­po­li­ti­sche Stra­te­gie: EU-Kom­mis­si­on nimmt einkommens­schwache Rau­cher in den Fokus

Schon seit Län­ge­rem beur­teilt die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on die Wirt­schafts­po­li­tik der EU-Mit­glied­staa­ten in län­der­spe­zi­fi­schen Emp­feh­lun­gen. Nun hat sie Ende Novem­ber auch für die Gesund­heits­sys­te­me der Mit­glie­der 28 län­der­spe­zi­fi­sche Gesund­heits­pro­fi­le, soge­nann­te „Län­der­pro­fi­le Gesund­heit“, vor­ge­legt. In ihnen bewer­tet sie die Leis­tungs­fä­hig­keit der natio­na­len Gesund­heits­sys­te­me.

EU-Gesund­heits­kom­mis­sar Vyte­nis Andri­ukai­tis nahm die Prä­sen­ta­ti­on der Daten­samm­lun­gen zum Anlass, für einen neu­en Ansatz bei der Bekämp­fung ver­meid­ba­rer Gesund­heits­ri­si­ken zu plä­die­ren. Die­ser Kampf müs­se künf­tig auf mög­lichst vie­len Poli­tik­fel­dern statt­fin­den. Hier kom­men Gesund­heits­pro­fi­le ins Spiel.

Deutsche Gesundheitsausgaben weit über EU-Durchschnitt

Deutsch­land beschei­nigt die Kom­mis­si­on außer­or­dent­lich hohe Gesund­heits­aus­ga­ben. Mit fast 4000 Euro pro Kopf im Jahr 2015 hät­ten die­se 43 Pro­zent über dem EU-Durch­schnitt gele­gen. Den­noch liegt die Lebens­er­war­tung eines Deut­schen bei Geburt mit 80,7 Jah­ren nur im EU-Durch­schnitt und stieg in den ver­gan­ge­nen Jah­ren lang­sa­mer als in den meis­ten ande­ren Län­dern.

Weitgespanntes Ziel

Der litaui­sche Gesund­heits­kom­mis­sar Vyte­nis Andri­ukai­tis klagt: „Dass wir nur drei Pro­zent unse­rer Gesund­heits­bud­gets für Prä­ven­ti­on aus­ge­ben, im Ver­gleich zu 80 Pro­zent für die Behand­lung von Krank­hei­ten, reicht ein­fach nicht aus.“ Nötig sei es nun­mehr, Gesund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on „in allen Poli­tik­be­rei­chen“ zu ver­an­kern.

Klas­si­ker der EU-Vor­beu­gungs­po­li­tik ist der Feld­zug gegen das Rau­chen. Im Gesund­heits­pro­fil für die Bun­des­re­pu­blik urteilt sie: „Unter allen ver­hal­tens­be­ding­ten Risi­ko­fak­to­ren tra­gen eine schlech­te Ernäh­rung und Rau­chen am stärks­ten zu einem schlech­ten Gesund­heits­zu­stand in Deutsch­land bei.“ Rau­chen sei unter Bevöl­ke­rungs­grup­pen mit einem nied­ri­ge­ren Bil­dungs­stand oder Ein­kom­men mehr ver­brei­tet als unter ande­ren.

Unter ande­rem dar­aus lei­tet die Kom­mis­si­on nun das weit­ge­spann­te Ziel ab, Bil­dungs- und Sozi­al­po­li­tik in den Dienst der Gesund­heits­prä­ven­ti­on zu stel­len: „Abge­se­hen von den unzu­rei­chen­den Inves­ti­tio­nen in Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men gilt es auch, sozia­le Ungleich­hei­ten zu bekämp­fen, die in Unter­schie­den bei der Krebs­vor­sor­ge oder dem Aus­maß kör­per­li­cher Akti­vi­tä­ten von Men­schen mit höhe­rem und nied­ri­ge­rem Ein­kom­men und Bil­dungs­stand sicht­bar wer­den.“

Schwieriges Thema für Juncker

Tarif­ver­hand­lun­gen im Zei­chen der Volks­ge­sund­heit? Bil­dungs­re­for­men zur Stär­kung der Abwehr­kräf­te? Anfang nächs­ten Jah­res sol­len die EU-Mit­glied­staa­ten in den Mei­nungs­aus­tausch über Schluss­fol­ge­run­gen aus den Gesund­heits­pro­fi­len ein­tre­ten. Zurück­hal­tung dürf­te sich dabei ver­mut­lich EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Jean-Clau­de Juncker auf­er­le­gen. Er ist weder als ein­kom­mens- noch bil­dungs­schwach bekannt, dafür aber als Rau­cher.

Mög­li­cher­wei­se erin­nert er sich an sei­ne eige­ne Mah­nung in sei­ner jüngs­ten Rede zur Lage der Euro­päi­schen Uni­on: „Wir soll­ten die Bür­ger Euro­pas nicht mit Rege­lungs-Klein-Klein ner­ven, son­dern in gro­ßen Din­gen Grö­ße zei­gen, nicht pau­sen­los neue Initia­ti­ven vom Zaun bre­chen und Befug­nis­se, dort wo es sinn­voll ist, an die Natio­nal­staa­ten zurück­ge­ben.“