Brauchen wir eine Verbotspolizei? Politiker antworten
20.11.2017 Opi­ni­ons

Brau­chen wir ei­ne Ver­bots­po­li­zei? Po­li­ti­ker ant­wor­ten

„Wer traut sich noch zu sa­gen: Ich rau­che, es­se Wurst, schaue RTL und lie­be All-In­clu­si­ve-Ur­lau­b“ – mit die­sem State­ment für BILD am Sonn­tag hat­te Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­bri­el (SPD) An­fang No­vem­ber in Ber­lin für reich­lich Dis­kus­si­ons­stoff ge­sorgt. Die Men­schen sei­en die Um­er­zie­hungs­ver­su­che der Po­li­tik leid, er­klär­te Ga­bri­el das Ab­stim­mungs­ver­hal­ten vie­ler Bür­ger bei der Bun­des­tags­wahl.

REE:THINK hat sich in Ber­lin, Brüs­sel und Düs­sel­dorf um­ge­hört, wie an­de­re Po­li­ti­ker zu dem The­ma ste­hen und ist auf viel Zu­stim­mung für ei­ne Po­li­tik ge­sto­ßen, die dem Bür­ger wie­der mehr ei­ge­ne Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz zu­traut:

Rainer Matheisen, Abgeordneter der FDP im Landtag Nordrhein-Westfalen und Sprecher für Drogenpolitik:
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Rai­ner Mat­hei­sen, Ab­ge­ord­ne­ter der FDP im Land­tag Nord­rhein-West­fa­len und Spre­cher für Dro­gen­po­li­tik:

„Die Po­li­tik ent­schei­det zu­neh­mend über die Köp­fe der Men­schen hin­weg, was sie es­sen, trin­ken oder rau­chen dür­fen. Das ist der fal­sche Weg. Er­wach­se­ne Men­schen kön­nen selbst­be­stimm­te Ent­schei­dun­gen tref­fen. Ich bin für mehr Auf­klä­rung und gu­te Pro­dukt­in­for­ma­tio­nen an­stel­le der be­vor­mun­den­den Ver­bots­po­li­tik!“

 

Dr. Peter Ramsauer, Bundesminister a. D.
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Dr. Pe­ter Ram­sau­er, Bun­des­mi­nis­ter a. D. und Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter der CSU:

„Die gan­ze Um­er­zie­hungs­ma­schi­ne­rie ist in­zwi­schen un­er­träg­lich. Wenn ein­zel­ne, selbst­er­nann­te Min­der­heits-Eli­ten mei­nen, der gro­ßen Mehr­heit vor­schrei­ben zu kön­nen, was sie zu tun ha­be oder nicht sa­gen dür­fe, was gut sei und was schlecht, was „po­li­tisch kor­rek­t“ sei und was an­geb­lich nicht, treibt das nur wei­te­re Wäh­ler in die Ar­me der AfD. Es ist das gu­te Recht er­wach­se­ner, mün­di­ger Bür­ger, selbst zu ent­schei­den, ob sie rau­chen, Fleisch es­sen oder Au­to fah­ren. Wir brau­chen kei­ne Ver­hal­tens-Po­li­zei.“

 

Elmar Brok, CDU-Europaparlamentarier
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El­mar Brok, CDU-Eu­ro­pa­par­la­men­ta­ri­er und dienst­äl­tes­tes Mit­glied des EU-Par­la­ments:

„Na­tür­lich soll man nicht rau­chen, wenn man an­de­re schä­digt. Aber es geht zu weit, wenn man fast schon als aso­zi­al dar­ge­stellt wird, weil man fin­det, dass zu ei­nem schö­nen Abend ei­ne Zi­gar­re und ein Glas Co­gnac pas­sen. Man wird auch schon nicht mehr als voll­wer­tig be­trach­tet, wenn man sich zur Cur­ry­wurst be­kennt. Der Druck zu im­mer mehr Po­li­ti­cal Cor­rect­ness nervt die Leu­te. Man hat den Ein­druck, dass die­ser Mei­nungs­druck in be­stimm­ten Be­rei­chen förm­lich or­ga­ni­siert wird, und zwar von Kräf­ten, die für sich ei­nen Al­lein­ver­tre­tungs­an­spruch auf das Gu­te er­he­ben. Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen er­zeu­gen im Zu­sam­men­spiel mit den Me­di­en so ein Kli­ma, dem die Po­li­tik aus Feig­heit oft folgt.“